Der Zusammenhang zwischen Gender und Medien lässt sich in vielfacher Weise reflektieren und diskutieren. Medien und mediale Konstellationen haben einen erheblichen Anteil an der Herausbildung und Perpetuierung von Geschlechterordnungen. Die Produktion von Geschlechterwissen ist ohne die Hilfe von Medien unmöglich. Insofern die mediale Herstellung dieses Geschlechterwissens allerdings immer nur vorläufig, heterogen und an ihr jeweiliges Medium gebunden bleibt, stellt die Schnittstelle von Gender und Medien einen höchst produktiven Knotenpunkt für die Analyse der Entstehung und De-/Stabilisierung von Geschlechterdiskursen dar. Wenngleich auch die Geschlechterforschung im universitären Kontext mittlerweile ein eigenes (interdisziplinäres) Studienfach geworden ist, und Studien- und Forschungsschwerpunkte, Graduiertenkollegs, Master- und Promotionsstudiengänge für Gender Studies eingerichtet wurden, steht die spezifische Fokussierung und systematische Analyse des Zusammenhangs von Gender und Medien noch aus. Dabei zählt die feministische Theoriebildung gerade im Kontext der Medienwissenschaft zu einem wichtigen und produktiven Arbeitsbereich. Nicht zuletzt im historischen Rückblick lässt sich die Produktivität der Gender Studies für die Medienwissenschaft in epistemologischer, methodischer und wissenschaftstheoretischer Hinsicht nachweisen.
In der AG Gender und Medien, die 2008 auf der Jahrestagung der GfM in Bochum gegründet wurde, geht es darum, den Zusammenhang zwischen Gender und Medien, wie er sich etwa in der Medialität geschlechtlicher Ordnungssysteme und/oder den geschlechtlichen Implikationen von medialen Konstellationen abzeichnet, systematisch zu erhellen. Das Verständnis von Medien als „Technologien des Geschlechts“, das Teresa de Lauretis Anfang der 1980er Jahre vorgeschlagen hat, wäre somit einer Re-Lektüre und Aktualisierung zu unterziehen.
Der Weg, Gender und Medien miteinander in Bezug zu setzen, soll dabei bewusst offen gehalten werden. Gender und Medien wären weniger als unterhintergehbarer (oder stabiler) Ausgangspunkt der Forschungsarbeit anzusehen, sondern als Kategorien, die sich immer wieder neu und aneinander konstituieren. Die möglichen Felder der Auseinandersetzung reichen von den bereits etablierten Arbeitsgebieten der genderorientierten Medienwissenschaft bis hin zu aktuellen und zukünftigen Forschungsdesideraten. Geschlechtliche Codierungen und ihre strukturgebenden performativen Effekte werden dabei nicht nur innerhalb von Einzelmedien relevant, sondern auch – diskurstheoretisch gedacht – in Bezug auf das theoretische, historische und analytische Nachdenken über Medien. Das Anknüpfen an Forschungsfelder der postcolonial studies, queer studies, gouvernementality studies etc. sind dabei nahe liegend und selbstverständlich.
Aktivitäten
1_Konferenzpanels. Die AG Gender und Medien hat es sich zur Aufgabe gesetzt, gemeinsame Konferenzpanels zu konzipieren und somit die inhaltliche Auseinandersetzung mit unseren jeweiligen Fachgebieten zu intensivieren.
➢ Oktober 2009, GFM Jahrestagung in Wien: „Die Kategorie Gender in Aisthesis, Mimesis, Immersion und Taktilität“ (Vorträge von Andrea Braidt, Angela Koch, Sabine Nessel und Hedwig Wagner; Moderation Andrea Seier)
➢ Juni 2010: NECS Jahrestagung in Istanbul: „Out of Place? Sex, Gender and Space“ (Vorträge von Martina Ladendorf, Carsten Albers, Ingrid Ryberg, Mariah Larsson; Moderation Annette Brauerhoch)
➢ Oktober 2010: GfM Jahrestagung in Weimar: „Bloody Cycles“
2_GfM Best Publication Award Gender und Medien. Im Sinne der Förderung und Sichtbarmachung der Publikationstätigkeit im Bereich Gender und Medien hat die GfM auf Initiative der Arbeitsgruppe diesen Preis ausgelobt, der im Oktober 2010 auf der Jahrestagung in Weimar zum ersten Mal verliehen wird. Zu den inhaltlichen Kriterien der Auszeichnung zählen Gender-Relevanz, die Reflexion der eigenen Position im wissenschaftlichen Feld der Gender&Medien Studies, ein innovativer Forschungsansatz sowie ein theoretisch-konzeptueller Umgang mit der behandelten Thematik und/oder mit dem analysierten Material.
3_Tagungen: Die Arbeitsgruppe plant die Durchführung einer großen Tagung im Bereich Gender und Medien für 2011.
4_Arbeitsgruppentreffen: An den AG-Treffen, die zweimal pro Jahr stattfinden, werden ebenso wissenschaftspolitische Themen und Strategien diskutiert, wir inhaltliche Auseinandersetzungen und Vernetzungen betrieben. Innerhalb der Mailingliste finden darüber hinaus rege Diskussionen statt.
Wir freuen uns über reges Interesse.
Archiv der AG
Aktivitäten 2009
Aktivitäten 2010
Kontakt:
Dr. Andrea B. Braidt, MLitt
TFM Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Universität Wien
andrea.braidt@univie.ac.at
Tel: ++43-(0)1 4277 48426
Gastprof. Dr. Andrea Seier
TFM Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Universität Wien
(Ruhr-Universität Bochum, Institut für Medienwissenschaft)
andrea.seier@rub.de
Tel: ++43-(0)1 4277 48407
Text
AG Gender Studies und Medienwissenschaft
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