- die technischen und sozialen Voraussetzungen der Medien,
- ihre ästhetischen Gestaltungsmöglichkeiten,
- ihre kulturellen Entstehungsursachen und Effekte,
- ihre individuellen wie gesellschaftlichen Nutzungsformen,
- ihre politischen, ökonomischen, rechtlichen, pädagogischen und wissenschaftlichen Aspekte sowie
- ihre Vernetzung zu regional, national und global agierenden Mediensystemen.
Die Medienwissenschaft geht von einem konstitutiven Zusammenhang zwischen der technischen Genese, der sozio-kulturellen Implementation von Medien und dem Entstehen von ästhetischen Formen sowie der Veränderung der kommunikativen Infrastruktur und der Nutzungsgewohnheiten von Medien aus. Die soziale Realität der Medien lässt sich somit weder von den Einzelmedien noch von Einzelwerken oder Formen her 'umfassend' verstehen, sondern setzt immer schon die Auseinandersetzung mit den komplexen Wechselbeziehungen von Medien im Sinne einer vernetzten Medienentwicklung voraus.
Die Entwicklung der medialen Techniken der Generierung, Speicherung, Darstellung und Weitergabe von Wahrnehmungen, Erfahrungen und Wissen steht in einem engen Zusammenhang mit tief greifenden Veränderungen in unseren Kulturen. Die Beschreibung und Analyse dieser Entwicklungen und Zusammenhänge sind zentrale Aufgaben der Medienwissenschaft. Dabei bilden die Medien - sowohl als Einzelmedien wie auch als vernetzte Elemente in komplexen Mediensystemen - die 'natürlichen' Gegenstandsbereiche der Medienwissenschaft.
Medien existieren nicht nur als Einzelmedien, sondern sie sind untereinander komplexe Verbindungen eingegangen. So gehören inzwischen Intermedialität und der Medienverbund zu den prägenden Formen kultureller Erfahrung. Zugleich sind die Gegenstände der Medienwissenschaft als soziale Artefakte in vielfache - technische, kulturelle, historische und pragmatische - Kontexte eingebettet. Einzelmedien ebenso wie nationale und transnationale Mediensysteme werden dabei unter technischen und ästhetischen, symbolischen, kommunikativen und ökonomischen Aspekten beobachtet.
So haben sich in der Fachentwicklung die folgenden Schwerpunkte herausgebildet:
- Ästhetik: Anhand des für das 20. Jh. zentralen Leitmediums Film wurden - und zwar noch bevor sich der Medienbegriff überhaupt als Erfahrungskategorie des sozialen Wissens etabliert hatte - normative und deskriptive formalästhetische Kategorien entwickelt, auf denen vor allem die heutige Analyse audiovisueller Medien aufbaut.
- Pragmatik: Eine pragmatisch ausgerichtete Analyse der elektronischen Massenmedien - des Hörfunks und des Fernsehens - konzentriert sich auf Strukturbildungen - Mediengattungen, Serialität und Periodizität - und Funktionen von Programmangeboten. Die Analyse von komplexen Medienangeboten und -formen, etwa im Internet, greift diese Forschungstradition auf.
- Technik- und Mediengeschichte: Die Untersuchung von technischen Geräten, ihren medialen Funktionen, von historischen Medienumbrüchen und Kommunikationskonstellationen bilden einen Schwerpunkt der deutschsprachigen Medienwissenschaft. Das Insistieren auf der Bedeutung der historischen und aktuellen technischen Materialität der Kommunikation, ihren Technologien und Apparaten hatte zur Folge, dass die 'Medien- und Technikvergessenheit' in der Kulturwissenschaften überwunden werden konnte.
Die Medienwissenschaft greift dabei aufgrund der Vielfalt ihrer Gegenstände auf ein breites Theorien- und Methodenrepertoire zurück. In erster Linie gehören hierzu philologisch-hermeneutische, kunstwissenschaftliche, philosophische, soziologische und psychologische Theorien- und Methoden, die die Medienwissenschaft entsprechend ihren spezifischen Erkenntnisinteressen transformiert hat. In diesem Reflexionsprozess entstanden genuin medienwissenschaftliche Ansätze, die sowohl Schnittstellen zu Nachbardisziplinen aufweisen als auch das kulturwissenschaftliche Theorierepertoire insgesamt entscheidend bereichert haben.
Typologisch lassen sich eigenständige medienwissenschaftliche Theoriebildungen auf unterschiedlichen Abstraktionsebenen feststellen:
- Einzelmedientheorien (Objekttheorien) zu den Medien: Film, Fotografie, Telegrafie, Rundfunk (Hörfunk und Fernsehen), Computer, Internet.
- Generelle Medientheorien: Zur Mediengattungsanalyse der Massenkommunikation, Öffentlichkeitstheorien, paradigmatische Entwürfe der visuellen Kultur, Theorien der Digitalität, sowie der Cultural und der Gender Studies.
In der interdisziplinären Zusammenarbeit entstanden zudem spezifische Theorieentwicklungen und Beschreibungsmodelle wie etwa in den Bereichen der Medieninformatik, des Medienrechts, der Medienwirtschaft, der Medienethik, der Medienpädagogik und der Medienpsychologie. Diese Theorieansätze haben dabei z.T. eine eigenständige interdisziplinäre Methodologie entwickelt, deren Verknüpfung ertragreiche Forschungsperspektiven eröffnet hat.
